Sozialistische und kommunistische Parteien während der Revolution in Bayern

Von der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) spaltete sich 1917 die Unabhängige Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) ab. Die Trennung veranlasste die SPD, sich in Mehrheitssozialdemokraten (MSPD) umzubenennen. Aus dem Spartakusbund und anderen linksradikalen Gruppierungen ging am 1. Januar 1919 die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) hervor.
Die Mehrheitssozialdemokraten (MSPD) Bayerns lehnten unter ihrem Landesvorsitzenden Erhard Auer die von Kurt Eisner und der USPD angestrebte Revolution ab und versuchten, eine Parlamentarisierung durch Verhandlungen mit der Regierung zu erlangen, was durchaus erfolgversprechend war. Dabei unterschätzte Auer ähnlich wie die Träger der monarchischen Ordnung Anfang November das revolutionäre Potenzial Kurt Eisners und glaubte, ihn durch die Einbindung in die organisierte Arbeiterschaft kontrollieren zu können. Noch in der Nacht vom 7. auf den 8. November entschied sich Auer allerdings pragmatisch zur Mitarbeit an der revolutionären Regierung, da sich die Monarchie den Revolutionären ohne Gegenwehr ergab. Die MSPD konnte das Kabinett Eisner mit vier Ministern und Auer als einflussreicher Innenminister dominieren.
In der Regierungsarbeit kam es zwischen den Rivalen Auer und Eisner immer wieder zu Konflikten, doch konnte sich die MSPD in entscheidenden Themen wie einem zeitnahen Wahltermin für den Landtag, der restriktiven Sozialisierung und der Bürgerwehr durchsetzen.
Bei den Wahlen zum Landtag vom 12. Januar 1919 erlitt die USPD Eisners mit nur 2,5 Prozent der Stimmen und drei Abgeordneten eine deutliche Niederlage. Die MSPD wurde mit 33 Prozent hinter der Bayerischen Volkspartei (35 Prozent) zweitstärkste Partei und erhielt 61 Mandate. Die KPD trat bei den Wahlen im Jahr 1919 nicht an, da sie die parlamentarische Demokratie ablehnte.
Literatur
GRAU, Bernhard, Kurt Eisner, 1867-1919. Eine Biographie, München 2001.
KRITZER, Peter, Die bayerische Sozialdemokratie und die bayerische Politik in den Jahren 1918 bis 1923 (Miscellanea Bavarica Monacensia 20 / Neue Schriftenreihe des Stadtarchivs München 37), München 1969.
MITCHELL, Allan, Revolution in Bayern 1918/1919. Die Eisner-Regierung und die Räterepublik, München 1967.
SCHADE, Franz, Kurt Eisner und die bayerische Sozialdemokratie, Hannover 1961.
THRÄNHARDT, Dietrich, Wahlen und politische Strukturen in Bayern 1848-1953. Historisch-soziologische Untersuchungen zum Entstehen und zur Neuerrichtung eines Parteiensystems (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien 51), Düsseldorf 1973.
Empfohlene Zitierweise
Sozialistische und kommunistische Parteien während der Revolution in Bayern, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 19055, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/19055. Letzter Zugriff am: 25.09.2022.
Online seit 02.03.2011, letzte Änderung am 25.02.2013.
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