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Hitlerputsch am 8. und 9. November 1923 in München

Im Hitlerputsch vom 8. und 9. November 1923 entluden sich Spannungen innerhalb der politischen Szene Bayerns, die sich seit der Novemberrevolution 1918 aufgebaut hatten. Nach der Niederschlagung der Münchener Räterepublik im Mai 1919 und dem Ausscheiden der Mehrheitssozialdemokraten aus der Landesregierung im März 1920 wurde das Land von rechtskonservativen Beamtenkabinetten regiert. Unter diesen wurde Bayern ein Sammelbecken für rechtsradikale Persönlichkeiten und Kampfbünde. Insbesondere Gustav Ritter von Kahr, der von März 1920 bis September 1921 Ministerpräsident war, wollte Bayern zu einer Ordnungszelle im vermeintlich von Sozialdemokraten, Sozialisten und Kommunisten regierten Deutschen Reich machen. Dazu protegierte er auch das rechtsradikale Milieu, das im Krisenjahr 1923 immer mehr zu brodeln begann. Insbesondere die aufstrebende Nationalsozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (NSDAP) unter ihrem Führer Adolf Hitler stand im Verdacht, Putschpläne zu hegen.
Als am 26. September 1923 der passive Widerstand gegen die Ruhrbesetzung aufgegeben werden musste, entluden sich diese Spannungen. Die bayerische Regierung unter Eugen Ritter von Knilling verhängte den Ausnahmezustand und ernannte von Kahr zum Generalstaatskommissar mit faktisch diktatorischer Vollmacht. Dieser übernahm die Kontrolle über die bayerische Polizei und die in Bayern stationierten Reichswehrverbände. Um nicht ins Abseits gedrängt zu werden, musste Hitler zuschlagen.
Am 8. November fand eine Versammlung mit von Knilling, von Kahr, dem Chef der Landespolizei Hans von Seißer, dem Landeskommandanten der Reichswehr Otto von Lossow sowie weiteren Ministern im Münchener Bürgerbräu am Gasteig statt. Hitler ließ die Versammlung von Getreuen umstellen, ergriff das Wort und drängte von Seißer, von Lossow und von Kahr anschließend dazu, einer neuen Reichsregierung unter Hitlers Führung beizutreten. Nach seinen Vorstellungen und dem Vorbild des faschistischen Marschs auf Rom unter Benito Mussolini sollte die Regierung von Bayern aus nach Berlin marschieren und eine nationale Diktatur gegen Marxisten und Juden errichten.
Die drei Genannten widerriefen jedoch ihre Zusagen nach der Versammlung. Auch gelang es den Putschisten nicht, die Kontrolle über das Militär zu erlangen. Um das Blatt doch noch zu wenden, führten sie am Vormittag des 9. Novembers eine bewaffnete Demonstration durch, die jedoch von der Landespolizei zersprengt wurde. Der Putsch war damit endgültig gescheitert. Hitler wurde festgenommen, erhielt jedoch eine milde Strafe. Er änderte in der Folgezeit seine politische Strategie und versuchte, auf legalen Wegen die Macht zu erlangen. Gleichzeitig distanzierte sich das konservative bayerische Establishment immer mehr von den Nationalsozialisten.
Quellen
DEUERLEIN, Ernst (Hg.), Der Hitler-Putsch. Bayerische Dokumente zum 8./9. November 1923, Stuttgart 1962.
WILHELM, Hermann (Hg.), Die vergessenen Opfer. Dokumente, Polizeiakten und Augenzeugenberichte zum Terror am 8. und 9. November 1923, München 2004.
Literatur
GORDON, Harold J., Hitlerputsch 1923. Machtkampf in Bayern 1923-1924, Frankfurt am Main 1971.
HÜRTEN, Heinz, Die "Vaterländischen Verbände", der Hitlerputsch und die Lage in der Pfalz, in: SCHMID, Alois (Hg.), Handbuch der bayerischen Geschichte, Bd. 4, Teilbd. 1: Staat und Politik, München 22003, S. 479-489.
PAPPERT, Lars, Der Hitlerputsch und seine Mythologisierung im Dritten Reich, Neuried 2001.
ZIEGLER, Walter, Hitlerputsch, 8./9. November 1923, in: Historisches Lexikon Bayerns, in:www.historisches-lexikon-bayerns.de (Letzter Zugriff am: 10.10.2013).
Empfohlene Zitierweise
Hitlerputsch am 8. und 9. November 1923 in München, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 8024, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/8024. Letzter Zugriff am: 23.10.2020.
Online seit 24.10.2013, letzte Änderung am 14.04.2014
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